Erlebnispädagogik in der Kirche feiert 20-jähriges Jubiläum

Führung: Afra und die Römer
Bildrechte: Erlebnispädagik in der Kirche | Foto: Angelika Prem

Mit Mönch, Magd und Stadtknecht werden Augsburger Innenstadtkirchen zum Klassenzimmer für Grundschüler.

Das Augsburger Projekt Erlebnispädagogik in der Kirche gilt deutschlandweit als einzigartig. Es macht die Kirche zum Klassenzimmer. Grundschüler erleben dort Unterricht mit allen Sinnen. Sie schätzen und vermessen die Proportionen in der Mathematikführung in St. Ulrich. Sie schreiben in einem mittelalterlichen Skriptorium im Annahof einen Text mit der Gänsefeder. Sie tauchen in der Ulrichsbasilika in die Zeit der Römer ein. Sie orientieren sich im Dom mit Hilfe der Himmelsrichtungen oder durchschreiten die St. Jakobskirche auf einer musikalischen Pilgerreise. Insgesamt acht kirchliche Erlebnisorte vermitteln verschiedene historische, naturwissenschaftliche, religiöse und kulturelle Elemente.

Kirchenraum und Lehrplan - eine ungewöhnliche Verbindung

Inhaltlich orientieren sich die Führungen am bayerischen Grundschullehrplan der 3. und 4. Jahrgangsstufe. „Die Verbindung aus Kirchenraum und Lehrplanthema ergibt ein spielerisches Lernerlebnis, das alle Sinne anspricht und deshalb einen nachhaltigen Lerneffekt hat“, weiß Projektleiterin Ute Pätzel.

Die Erfolgsgeschichte von Erlebnispädagogik in der Kirche begann im März 1999 mit Pfarrerin Uta Nikolai und ist inspiriert von einem Londoner Projekt. Ehrenamtlich entwickelte die Grundschullehrerin Ute Pätzel zusammen mit ihrem 50-köpfigen Team die Augsburger Variante weiter.

Erlebnispädagogik in der Kirche erfreut sich großer Beliebtheit. In den letzten zwanzig Jahren haben über 70.000 Kinder an den Führungen teilgenommen. Auch aktuell sind alle angebotenen Termine restlos ausgebucht. Pro Jahr finden über 300 Führungen statt. Nicht alle Wünsche kann das Teams erfüllen. Es gibt lange Wartelisten.

Die Begeisterung der Kinder ist die schönste Belohnung

Träger des Projekts sind das Evangelisch-Lutherische Dekanat Augsburg und das Evangelische Forum Annahof. Erlebnispädagogik in der Kirche ist ökumenisch ausgerichtet. „Wir sorgen dafür, dass sich Kinder aller Kulturkreise in einer christlichen Kirche unbefangen wohlfühlen können und dabei viel Neues über ihre unmittelbare Heimat lernen“, beschreibt Pätzel den Charakter der Veranstaltungen. Die schönste Belohnung für das Team ist jedoch, die Begeisterung der Kinder zu spüren: „Am Ende der Führung müssen wir die Kinder oft regelrecht hinauskomplimentieren.“

Die Wertschätzung zeigt sich auch in den Auszeichnungen, die das Projekt erhalten hat: 2010 erhielt es den 1. Ehrenamtspreis der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Bayern, 2014 den 2. Preis in der Kategorie "Projekte" des internationalen Kongresses "erleben und lernen" der Universität Augsburg. In den letzten Jahren entwickelte sich das Projekt stetig weiter. So entstand zum Beispiel im Lutherjahr 2017 die neue Führung „Martin Luther in Augsburg in St. Anna“.

Das ehrenamtliche Engagement verdient höchste Anerkennung

Erlebnispädagogik in der Kirche ist ein vollständig ehrenamtliches Projekt. Das unterstreicht Stadtdekan Michael Thoma ganz besonders: „Es ist absolut außergewöhnlich, dass ein rein ehrenamtliches Team seit zwei Jahrzehnten diesen großen Aufwand erbringt. Das verdient höchste Anerkennung. Neben all den kreativen und originellen Formen der Wissensvermittlung begeistern mich vor allem, die enorme Freude, die pädagogische Professionalität und das umfassende historischen Wissen des Teams. Ich bin sehr froh, dass Erlebnispädagogik in der Kirche in unseren Kirchenräumen zu Hause ist.“

Der Festgottesdienst zum 20-jährigen Jubiläum findet statt am Sonntag, den 26. Mai um 10 Uhr in der Evangelischen St. Ulrich Kirche. Er enthält Elemente aller neun Führungsthemen. Die Predigt hält Pfarrer Frank Kreiselmeier.